Grundeinkommen – Wofür?

Veränderung der Arbeitswelt

Wir erleben die grössten Veränderungen des Arbeitslebens durch Digitalisierung und Automatisierung. Zunehmend arbeiten Maschinen, Roboter und Computer für uns. Dies führt zu neuen Möglichkeiten die freigewordene menschliche Arbeitszeit anders zu nutzen. Um eine Teilhabe aller zu gewährleisten, braucht es Chancengerechtigkeit – ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt sie allen in fairer Weise.

Mehr Unternehmertum

Mit Grundeinkommen hat jeder Mensch ein Startkapital. Dies ermöglicht, sich auch selbständig unternehmerisch zu verwirklichen. Heute hindert die Vorstellung des Scheiterns viele Initiativen. Mit Grundeinkommen besteht hier Sicherheit und Selbstvertrauen. Die zunehmende Gründung von kleinen Unternehmen führt zu mehr Innovation und Wettbewerb. Das steigert den volkswirtschaftlichen Output. Bei einem grossen Experiment zum Grundeinkommen in Namibia zeigte sich deutlich eine Zunahme an Unternehmergeist: mit Grundeinkommen kamen 29% der Erwerbseinkommen aus selbstständigen Unternehmungen.

Wert der Arbeit

Selbst wenn die erhöhte Digitalisierung der Arbeit nicht zu Arbeitsplatzverlusten führen würde, ist anzunehmen, dass Arbeit zukünftig weniger Einkommen generieren kann, was die finanzielle Ungleichheit erhöht und den Wert der Arbeit mindert. Schon heute ist sichtbar, dass das Geldvermögen der Menschen mit Kapital schneller steigt als der Menschen, die alleine durch Arbeit ihr Kapital vermehren. Das führt dazu, dass Einige zunehmend mehr verdienen, während der grosse Rest der Bevölkerung im Verhältnis immer weniger Einkommen erwirtschaftet. Mit Grundeinkommen können sich die ArbeiterInnen aus diesem Hamsterrad einfacher und gesicherter befreien.

Ausgewogenere Bezahlung (“gender pay gap")

Durchschnittlich bekommen Frauen heute immer noch weniger Gehalt als Männer. Mit einem Grundeinkommen werden alle Menschen weniger abhängig von ihrem Arbeitseinkommen. Das schafft mehr Möglichkeiten, den gender pay gap zu überwinden, ohne von staatlicher Seite mit Quoten eingreifen zu müssen.

Weniger Schwarzarbeit

Da mit einem Grundeinkommen die Arbeit der einzelnen Menschen für Arbeitgeber weniger kosten kann, sinkt die Attraktivität für Schwarzarbeit. Dies macht Einsatzfelder, die heute verstärkt durch Schwarzarbeit abgedeckt werden, für reguläre Jobs wieder attraktiv. Zudem sinkt der Markt für Schwarzarbeit, was weniger Kriminalität, weniger Rechtsarbeit und mehr Transparenz ermöglicht.

Mehr Freude am Arbeiten = besseres Arbeiten

Je mehr Menschen ihre Arbeit gerne erledigen, desto besser ist die Stimmung am Arbeitsplatz. Die Stimmung trägt entscheidend dazu bei, wie die Leistung der ArbeiterInnen ist. Durch die Sicherheit eines Grundeinkommens steigt die Wertschätzung und die Zufriedenheit am Arbeitsplatz.

Weniger Manipulation von ArbeitnehmerInnen

Durch weniger Kontrollbedarf und -möglichkeit der mit Grundeinkommen selbständigeren MitarbeiterInnen sinkt die Manipulierbarkeit. Das stärkt den einzelnen Menschen in seiner Selbständigkeit und Entscheidungsfreiheit.

“Der Schlüssel liegt in der Selbstbeschäftigung” (Klaus Schwab)

Es bedarf zunehmend weniger Full-Time-Jobs. Arbeit wird fluide. Herkömmlicher Arbeitnehmerschutz funktioniert nicht mehr. Es braucht neue Arbeitsmodelle sowie mehr Möglichkeiten für Innovation und Unternehmertum. Für eine “Uberisierung” der Gesellschaft bietet das bedingungslose Grundeinkommen die beste Voraussetzung, wenn es in einer Höhe ausbezahlt wird, die ein anständiges Leben und eine Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht.

Psychisch und physisch gesündere MitarbeiterInnen

Ein Grundeinkommen dient der Gesundheit von ArbeitnehmerInnen. Psychische Krankheiten sind heute eines der grössten Probleme des Gesundheitswesens in entwickelten Ländern, wogegen bereits etliche innerbetriebliche Massnahmen ergriffen werden, die mit nur mässigem Erfolg greifen. Das Wissen um einen garantierten Lebensstandart beruhigt und schützt vor psychischen Problemen. Da Armut selbst zu einer verringerten kognitiven Fähigkeit führt, hilft ein Grundeinkommen zu besserer kognitiver Leistung und zu besseren Arbeitsergebnisse. Zudem sind die Kosten für kranke MitarbeiterInnen enorm. Die zunehmenden Kosten des Gesundheitswesens verringern sich mit einem Grundeinkommen. Bei einem Grundeinkommensexperiment in dem Ort Dauphin in Kanada wurden 8,5% weniger Krankenhausaufenthalte festgestellt, was sich direkt aus dem Grundeinkommen ableiten liess. Dies kam vor allem durch weniger Arbeitsunfälle und verminderter familiärer Gewalt.

Garantierter Lebensstandard

Bereits in Artikel 25 der allgemeinen Menschenrechte wird ein angemessener Lebensstandard für jeden Menschen garantiert. Dort heisst es: “Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschliesslich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen gewährleistet sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände” (United Nations).

Mehr Verhandlungsspielraum, mehr Markt, weniger Existenzangst

Ein Grundeinkommen schafft einen echten Arbeitsmarkt, da jedem Arbeitnehmer mehr Optionen zukommen. Jeder kann freier entscheiden, wo und auf welche Weise er seine Arbeitskraft und Kompetenz einbringen möchte. Das stärkt die Verhandlungspositionen der ArbeitnehmerInnen. Mit Grundeinkommen sind Unternehmen gefordert, ihre MítarbeiterInnen als freie Menschen ernst zu nehmen und so einzusetzen, dass sie sich am besten entwickeln können. Das bedeutet: win-win für ArbeitgeberInnen/ArbeitnehmerInnen.

Eine Regel für alle

Es ist politisch nicht optimal, für jede Ausnahme eine gesonderte Regel zu erlassen. Besser ist es, eine Form zu finden, die für alle gilt, beispielsweise bei der Verteilung von Steuern. Das stärkt die Prinzipien von Freiheit und Gleichheit.

Mehr Ehrenamt

Durch ein Grundeinkommen wird die vielfach geleistete ehrenamtliche Arbeit gewürdigt und bestärkt. Davon profitiert die gesamte Gesellschaft, da viele Arbeiten ohne Ehrenamt überhaupt nicht durchführbar sind. Das betrifft besonders die Bereiche Breitensport, Kirche, Pflege, Open-Source Programmierung und Wissenschaft, welche grossteils gemeinnützig sind. Durch ein Grundeinkommen findet das Ehrenamt eine gerechte Unterstützung und eine gute Basis.

Verstärkt die Kaufkraft

Jeder Euro, der an geringverdienende Menschen gegeben wird, stärkt die Kaufkraft mehr als der Wert des einzelnen Euros. Beim Dollar ist dieser Effekt für 1$ Dollar bei 1,21$, während ein Dollar in den Händen von hohen Einkommen nur 39 Cent zum BIP beiträgt. Das Grundeinkommen vergrössert mit diesem als Multiplikator-Effekt bekannten Mechanismus das BIP.

Weniger Bürokratie, mehr Möglichkeiten

Mit Grundeinkommen können Bürokratie und Regel-Dschungel abgebaut werden. Dies mindert den Einfluss des Staates und stärkt die Bürger

  • gesetzliche Arbeitsplatz-Regulierungen werden teilweise obsolet
  • es braucht weniger gesetzlichen Kündigungsschutz
  • gesetzlicher Mindestlohn wird überflüssig, da jeder souverän verhandeln kann
  • gesetzliche Rente kann neu gedacht und organisiert werden
  • der Staat greift nicht mehr durch Sozialprogramme in die Personenrechte ein – die Menschen werden mündig
  • der Staat braucht keine Kriterien vorgeben und kontrollieren, bevor er Geld gewährt. Das verschlankt die Bürokratie
  • alle staatlichen Sozialsysteme können bis zur Höhe des Grundeinkommens abgeschafft werden

Förderung der Wirtschaftsleistung

  • Menschen, die gerne arbeiten, arbeiten produktiver und sind weniger krank
  • Es besteht mehr Anreiz, gute Roboter zu entwickeln, die ungeliebte Arbeit übernehmen
  • Es stärkt den Unternehmergeist und mindert die Angst vor Selbständigkeit
  • Menschen können sich vermehrt kreativen, koordinatorischen, künstlerischen, solidarischen oder handwerklichen Arbeiten widmen, die sie gerne tun und die nicht von Robotern erledigt werden können. Das steigert die Performance und verbessert die Ergebnisse.

“Die Wirtschaft befreit die Menschen von der Arbeit” (Götz Werner)

Dank Digitalisierung und Robotisierung fällt ein Teil der Arbeitszeit weg. Dadurch wird Lebenszeit frei. Damit in diesen neuen Freiräumen Innovationen möglich sind, bedarf es jener Existenzsicherung, die ein Grundeinkommen bietet. Während heute der paternalistische Staat Bedürfnisse prüft, bevor Unterstützung gewährt wird, fördert ein Grundeinkommen die Eigenständigkeit der Menschen und macht den Teil des Einkommens, den es unbedingt zum Leben braucht, bedingungslos. Durch global verlagerte Arbeitsplätze wird die westliche Welt zunehmend mit Arbeitslosigkeit und Transferarbeit in Zeitarbeit konfrontiert. Diese Herausforderungen löst ein Grundeinkommen auf eine menschliche und ökonomisch sinnvolle Art, indem sie jeden und jede in die Position bringt, selbst zu entscheiden und sich einzubringen.

Weniger unnütze Sozialleistungen

Sozialleistungen verfehlen heute vielfach ihre Ziele und gehen an den realen Bedürfnissen vorbei. Zudem besteht ein grosses Problem im Missbrauch von Sozialleistungen. Mit einem einheitlichen Grundeinkommen fällt all das weg, da es den Menschen eine gleichberechtigte Hilfe zur Selbsthilfe bietet.